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Durch einen groben Fehler des Kapitäns des Fährschiffes „Salem Express“  kommt es in einer stürmischen Dezembernacht des Jahres 1991 zu einem der schwersten Schiffsunfälle der Letzten 30 Jahre. Nur wenige Seemeilen vor dem Heimathafen Port Safaga an der ägyptischen Rotmeer-Küste läuft die  112 Meter lange Fähre auf ein Riff auf und sinkt bei stürmischer See innerhalb kürzester Zeit. Wie viele Menschen sich an Bord befanden bleibt bis zum heutigen Tag ungeklärt. Für die meisten kam jede Rettung zu spät.

Ein Abstieg an dem Wrack ist für viele Taucher ein Tabu, da dort unzählige Menschen einen qualvollen Tod gefunden haben. Was genau geschehen ist, was es zu sehen gibt, und weshalb so viele Taucher und Tauchbasen diese gruselig-schöne Wrack auch nach über 20 Jahren nicht anfahren, könnt Ihr in der aktuellen (02/2012) Ausgabe der Tauchzeitschrift „Unterwasser“ nachlesen.

Fischschwarm an der Salem Express

Fischschwarm an der Salem Express

Von Außen lässt sich nur beim genaueren Hinsehen erkennen, dass sich hier eine Tragödie abgespielt hat. Fischschwärme, Korallen und einige seltene Arten wie dieser Riesen-Angler-Fisch lassen die Menschen vergessen, welch traurige Fracht im Herzen der Fähre seit über 20 Jahren darauf wartet entladen zu werden.

Anglerfisch in den Aufbauten der Salem Express

Anglerfisch in den Aufbauten der Salem Express

Einige ungenutzte, noch vertaute Rettungsboote liegen auf dem Meeresgrund und deuten  an, dass sich die Ereignisse in dieser Dezembernacht so sehr überschlagen haben, dass keine Zeit für eine überlegte und planmäßige Evakuierung bestand.

Die Rettungsboote der Salem Express, unbenutzt

Die Rettungsboote der Salem Express, unbenutzt

Taucht man am hinteren Deck entlang richtung Heck, erreicht man an die Ladeklappe, die seit einem Sturm abgefallen ist und jetzt den Blick auf eine Welt preisgibt, die scheinbar vor 2 Jahrzehnten in einen Dornröschenschlaf gefallen ist.

Salem Express Heck Aufbauten

Salem Express Heck Aufbauten

Nur wer sich bewusst ist, was er tut und wem klar ist, was auf ihn zukommt, der Respekt vor all den Toten hat und auch bereit ist den Unmut anderer Menschen auf sich zu ziehen sollte einen kurzen Blick in die Hauptladeräume der Salem werfen. Gepäckstücke mit der Aufschrifft „Happy Journey“ haben mich im Bauch dieses Giganten mehrfach schlucken lassen.

Für viele der Passagiere war diese Überfahrt die letzte Reise.    Für viele der Passagiere war diese Überfahrt die letzte Reise

Für viele der Passagiere war diese Überfahrt die letzte Reise

Die alte Fähre ist ein Friedhof, die verlassenen Gepäckstücke erscheinen wie Grabsteine. Einige der Koffer wurden bereits von Tauchern geöffnet und einzelne Teile entwendet. Eine Vandalismus der sofort wieder bestätigt, warum wir hier eigentlich nicht hin gehören: Das Wrack ist ein Mahnmal, und wir sollten wenn überhaupt nur mit tiefsten Respekt vor den Toten und ihren Angehörigen diesen Ort aufsuchen. Wer dazu nicht in der Lage ist sollte an dem Tag, an dem die „Salem Express“ auf dem Tour-Plan steht doch lieber aus dem Wasser draußen bleiben.

Der Laderaum der Salem Express

Der Laderaum der Salem Express

Mit der Backbordseite zur Wasseroberfläche ruht die Salem auf den ca. 30 meter tiefen Meeresgrund

Mit der Backbordseite zur Wasseroberfläche ruht die Salem auf dem ca. 30 Meter tiefen Meeresgrund

"Unterwasser" Redakteur Linus Geschke kurz vor dem Sicherheitsstop an der Salem

„Unterwasser“-Redakteur Linus Geschke kurz vor dem Sicherheitsstop an der Salem

 

 

Es gibt 2 Kommentare

  1. Ina

    Ich habe sie auch schon betaucht…2007… und war zutiefst erschüttert. Das ist ein Friedhof!!! Damals konnte man nicht ins innere des Wracks tauchen und das hätte auch so bleiben sollen! Der Gedanke daran das es ein Tauchplatz für einige ist, läßt micht erschaudern. Die, die einen Friedhof besuchen sollten das mit dem nötigem Respekt tun und den Menschen gendeken!

    • admin@seaimages

      Hallo Ina!
      Sicher hast Du recht, allerdings werden immer Menschn dort tauchen. Nur eine Sperrung des Wracks würde dies unterbinden. Das bedeutet allerdings finanzielle Einbußen. Viele ägytische Basen und Guides geben vor, ein Problem mit der Störung der Toten zu haben, fahren den Spott aber doch an, weil es so ein schöner Tauchplatz ist (und ein 2Tank Dive dort mindestens 70 Euro bringt). Ich gedenke immer wieder der Toten, wenn ich die Bilder sehe und bezweifle, dass ich es tun würde, wäre ich nicht dort gewesen. Respekt gegenüber der Umwelt ist eine Grundvoraussetzung des Tauchens. Wer das nicht versteht und sich nicht zu benehmen weiß, der sollte eben einfach aus dem Wasser bleiben-generell.


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